Ein Schiff führen – sich führen – andere führen.

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Die Unwägbarkeiten der 15 Kartenaufgaben
der SBFSee Prüfung



Aufgabe 1
Die Tonne "TG 19/Weser 2" hat eine Doppelfunktion, sie ist in ihrer Hauptfunktion die 19, also eine grüne Steuerbordtonne in diesem Fall des Verkehrstrennungsgebietes Terschelling -German Bight und gleichzeitig die 2, also grüne Backbordtonne des Weser Fahrwassers. Folglich ist der Lackanstrich der Tonne grün mit einem roten Mittelteil. Deswegen steht unter der Tonne GRG.
"Nahebei" der Tonne heißt "an ihrer offiziellen Position" sein.
Der rechtweisende Kurs zur Tonne "Alte Weser" ist genau genommen 078,2° ,abgerundet 078°.
Für den zu errechnenden MgK braucht es Missweisung und Ablenkung, letztere ist netterweise vorgegeben. Die Missweisung ist, laut Missweisungsrose, im Jahr 2010 : 0° und 50' (Minuten). Da die Aufgabe im Jahr 2012 spielt kommen also noch zwei Mal die in der Klammer ausgedrückten jährlichen weiteren 5' dazu, macht 60' und das ist ein volles Grad. Östliche Missweisungen führen an der Kompassrose zu kleineren Gradzahlen, müssen also ins Schema mit positivem Vorzeichen, Mw : +1°. I Tipp: Bei der Suche nach den gepeilten Tonnen lohnt es sich zu überlegen, wo ungefähr man nach einer halben Stunde sein müßte, von dort aus in der gepeilten Richtung zu suchen erleichtert das Finden.
Das Verwandeln der beiden Peilungen von MgP zu rwP, die dann in die Karte eingetragen werden können, ist einfach weil die Ablenkung 0° beträgt (wegen des Handpeilkompasses) und die Missweisung dieselbe +1° geblieben ist.
Der Besteckversatz, vom erwarteten Koppelort zum durch Peilung gefundenen wahren, beobachteten Ort, beträgt unseres Erachtens 101°. Eine Differenz von +/- 5° zu den 103° der Musterlösung ist auf die kurze Strecke von 0,8 sm tolerabel.
Die Erkenntnis der Geschichte ist also, daß es das Schiff nach Steuerbord aus dem gesteuerten Kurs verhauen hat, obendrein ist man auch etwas schneller als gedacht. insbesondere die angebliche Fahrt über Grund von 8 kn stimmt nicht. Wind oder Strom müssen die Ursache sein.
Eine Aufgabe wie sie das Leben schreibt, meistenteils harmlos.

Aufgabe 2
Die Frage nach dem Maß der Missweisung, um den MgK in den rwK zu verwandeln muß natürlich der Tatsache Rechnung tragen, daß die Aufgabe im Jahr 2011 spielt. Aber leider befindet sich in dem Kartenausschnitt keine Missweisungsrose. Wer einfach den Kasten, der ja Gebiete aussergewöhnlicher Missweisung beschreibt, zur Grundlage nimmt fährt
damit genauso gut. es kommt nämlich durch das Aufrunden sowieso wieder +1° heraus: 0° 45' E im Jahre 2010, plus den 5° jährliche Zuwanderung aus der Klammer, macht 50° und das sind, da ein Grad aus 60' besteht, gerundet wieder 1°, wegen der östlichen Missweisung im Schema mit positivem Vorzeichen zu verwenden.
Bis zur Frage 5 ist also alles normal. Ein Schiff fährt an der Tonne Helgoland Ost los, steuert einen MgK, der in einen rechtweisenden Kurs verwandelt werden muß um in die Seekarte eingetragen zu werden.
Dann wird man gefragt wie die Tonne Außenelbe Reede 4 aussehe, denn diese passiere man. Das ist aber Quatsch, wie sich bei Frage 7 und 8, Koppelort und beobachteter Ort für 11:54h, erweisen wird. Die Frage 5 also nur als Frage nach der Beschaffenheit der Tonne verstehen und weiter fahren.
Der Koppelort um 11:54 h ist simpel, 9 sm auf der gedachten rwK Linie. Und dann die übliche Enttäuschung. Nach der Kombination einer Peilung mit einer gemessenen Wassertiefe, also dort wo die rwP von 147° die 20m Tiefenlinie schneidet, muss man zugeben recht weit nach Backbord von der rwK Linie abgekommen zu sein. Wind oder Strom, jedenfalls von S oder SE kommend, haben gebremst und nach Norden versetzt.
Die im Kopf der Aufgabe angegebenen FüG 10 kn sind natürlich ebenfalls falsch, richtigerweise müsste man dort schreiben, daß der Schiffsführer von 10 kn FüG ausgeht ( und dabei ganz genau weiss, dass das nur eine Annahme ist, die sich beim ersten, sicheren, beobachteten Ort als anders erweisen wird) .
Nebenbei gesagt ist es natürlich totaler Käse im Tidengebiet mit einer Tiefenlinie als Standlinie zu arbeiten, wenn man eine zweite Tonne, Reede 2, direkt vor der Nase hat. Wer kennt schon genau die Einstellung seines Echolotes, wie viel hat der Vercharterer dazu getan und wieviel Höhe der Gezeit um wieviele Minuten nach Hochwasser Helgoland zu welchem Alter der Gezeit?. Lassen.
Also harmlos

Aufgabe 3
Die gefragte Position des Schiffes um 13:30h ist also die Frage nach der Position der Tonne.
Um den MgK aus den rwK 240° zur Tonne "Accumer Ee"zu errechnen braucht es die Missweisung. Laut Kasten betrug diese 2010 0°5'W, was mit der jährlichen Weiterwanderung von 5'E für das Jahr 2011 Null,Null ergibt.
Die Raute mit dem Buchstaben "A" bezeichnet ein Gebiet. Wer wissen will, wie sich in diesem Gebiet das Wasser verhält, um 1,2,3,4,5,6 Stunden vor oder nach Hochwasser Helgoland, müsste in der mit "A" überschriebenen Tabelle gucken.
Die drei Peilungen in rwP's zu verwandeln ist leicht, weil allen lediglich 2° abzuziehen sind, denn die Mw ist ja immer noch 0°. Die drei Peilungen treffen sich tatsächlich alle in einem Punkt, OB 14:30h 007° 34,8'E und 53° 49,9' N, was in der Praxis zugegebenermaßen selten ist.
Dass der durch Peilung ermittelte Ort deutlich rechts neben der geplanten rwK-Linie liegt ist normal, so ist das Leben, da hat einen irgendwas nach Steuerbord versetzt, Wind oder Strom ( oder ein schlechter Steuermann).
Aber da der OB nicht mal gefragt war... harmlos.

Aufgabe 4
Die Position der Tonne zu ermitteln ist harmlos. Dann soll der rwK zur Tonne "Otzumer Balje" , 81° in einen MgK verwandelt werden. Die Missweisung beträgt nach rechnen und runden 0°. Denn im Jahr 2010 waren es laut Kasten 5'W, nun im Jahr 2014 sind also 4 x 5'E dazu zu rechnen, macht 15'E und das sind abgerundet 0°.
So kommen für den MgK 74° heraus.
Bei der Kennung der Tonne bedenken, daß es sich um weisses Licht handelt, weil in der Kennung keine Farbe angegeben ist, nicht vom gelben Tropfen unter der Tonne verwirren lassen.
Der Koppelort um 10:00h, also eine Stunde später, ist 6 sm auf der rwK Linie zu suchen, man soll ja von 6kn Geschwindigkeit ausgehen. das ist genau auf, bzw nahebei, der Tonne "Otzumer Balje", sehr witzig, Ihr sollt also die Position der Tonne beschreiben.
Die beiden Kürzel "Wk" bedeuten natürlich das hier eine Wrack liegt, eines mit 1,4 und eines mit 3,7 m Wasser darüber, bezogen auf Kartennull. Die liegenden Klammern unter den Kürzeln bedeuten, dass diese Tatsache durch Taucher oder Schleppgerät ermittelt wurde.
Die beiden MgP's in rwP's zu verwandeln ist simpel, da die Mw immer noch 0° beträgt und also nur +5° Missweisung anzutragen sind, 115° und 35°. Der durchs Einzeichnen gefundene Ort liegt auf 007°38,0 E und 53°47,2' N, also 2mm links neben dem Wrack mit nur 1,4m Wasser darüber. Dass Kirchen mit Kreuzen dargestellt werden... ist klar.

Aufgabe 5
Um die MgP's auf den Turm auf Langeoog und die Tonne "Otzumer Balje" zu verwandeln ( um sie dann als rwP's eintragen zu können) braucht man die aktuelle Mw. Die war laut Kasten 2010 5'W und wandert pro Jahr 5'E, ist also m Jahre 2011 der Aufgabe 0°. macht als rwP's 221° und 127°.
Da die Frage 6. den rwK von dem eben durch Beobachtung gefundenen Ort zur Tonne "1b/Jade1" sucht, setzt sich hier ein Fehler in der Ortsbestimmung fort, wenn es um den rwK zur Tonne geht. Aufpassen also, rwK 061°.
Dass dann auch noch der MgK gefragt wird ist wieder simpel, denn die Ablenkung ist mit -2° vorgegeben und die Mw immer noch 0°, MgK 63° also.
Frage 7 und 9 sind Fahrt-Strecke-Zeit Aufgaben. Dass man 30 Minuten bis zur Tonne "1b Jade1" braucht ist einfach, also ETA um 14:30h. Dass 14:06 h ja nur 6 Minuten nach dem letzten Beobachteten Ort ist, kann verwirrend sein. In 6 Minuten kommt ein 11kn schnelles Boot 1,1 sm weit und so kommt man zum Koppelort. Unserer Meinung nach übrigens 1' nördlicher als die Lösung behauptet.
Anspruchsvoll.

Aufgabe 6
Bis man die Tonne "A2" gefunden hat dauert es ein wenig, aber wenn man daran denkt, daß die 2 auf eine rote Backbordtonne hinweist, hat man sie bald. Ebenso wie die Nordwarntonne "Westertill". Die 59° rwK zum MgK verwandeln bedeutet mal wieder die Missweisung ermitteln. Die Missweisung aus dem Jahr 2010 von, laut Kasten, 0°50'E muss um zwei Jahre, Aufgabe spielt im Jahr 2012, erweitert werden. Das macht 60'E u d das ist dann 1°E. Da östliche Missweisungen zu geringeren Gradzahlen am Kompass führen, muss der Korrekturwert also ein positives Vorzeichen kriegen, +1° ist also die Missweisung im Jahre 2012, bei Abl -2° kommen dann 60° MgK heraus.
Die Verwandlung der beiden MgP ist simpel, Abl -2° und Missweisung +1° bedeutet beide Peilungen -1°. Und dann kommt man zum beobachteten Ort, der eine Winzigkeit rechts der rwK Linie ist. Da hat irgendeine Kraft, Wind oder Strom, das Schiff etwas nach Steuerbord versetzt.
Trotzdem, und das ist nur dann erklärlich, wenn der Steuermann nach dem durch Peilung gefundenen Ort, seinen Kurs etwas mehr nach Backbord vorhält, passiere man um 9:54h die Tonne "Westertill Nord", na gut. Also hat man für die 5,4 sm, von Tonne zu Tonne, 54 Minuten gebraucht. Das macht 6 kn Fahrt.
Irritierend.

Aufgabe 7
Da die Tonne "Außenelbe -Reede 2" gelb leuchtet ist ja klar, ist ja eine Sondergebietstonne, deswegen auch das Y in der Kennung.
Endlich mal eine Aufgabe, in der der Steuermann nach seiner Idee fährt und Ihr den einzutragenden rwK errechnen und eintragen müsst. Missweisung für das Jahr 2010 steht im Kasten unten links auf der Karte: 0°50'E, was aufgerundet (1° besteht aus 60') 1° ergibt und als östliche Missweisung mit +1° ins Kursverwandlungsschema eingeht.
Der rwK von 216° lässt einen ein gutes Stück neben der Tonne "Nordergründe Nord" vorbeifahren. Das macht Frage 5 , wann man die Tonne erreiche, so irritierend. Trotzdem schreibt man nicht "niemals" in die Antwort sondern interpretiert die Frage 5 als: wie lange braucht ein Schiff für die Strecke von Tonne zu Tonne, was 7,6 sm sind und also bei 8kn 57Minuten dauert, und dann wäre es 11:57h . In einigen Aufgaben steht mittlerweile, dass man die Frage 5 als " wann ist die Tonne querab" lesen solle. das kommt auf das Gleiche heraus, auch das sind 7,6 sm.
Nun, Frage 7, wird gepeilt um - wie immer - heraus zu kriegen, ob man denn tatsächlich auf der Kurslimie geblieben ist und ob die Geschwindigkeitsannahme stimmt. also Peilungen verwandeln und eintragen, da die Ablenkung 0° sei und die Missweisung immer noch +1°, kriegen die Peilungen je ein Grad dazu. Wer die beiden rwP eingetragen hat kommt auf einen beobachteten Ort rechts neben der rwK Linie, 007°57,2'E und 54°57,0'N.
Die Frage 9 nach dem Besteckversatz braucht einen Koppelort und einen , haben wir ja gerade ermittelt, beobachteten Ort. Der Koppelort liegt, 1Stunde mit 8 kn, also 8 sm weiter, auf 007°58,9'E und 54°57,0'N und daraus resultiert der Besteckversatz ( vom erwarteten OK zum tatsächlichen OB) von 273°/ 1,1 sm. Es hat einen Ls etwas nach Steurbord verhauen und auch noch etwas geschoben.
Anspruchsvoll.

Aufgabe 8
Das man die rechtweisenden Peilungen schon geschenkt bekommt... Sehr gut, man ist genau auf der 7 von 37m Wassertiefe.
Die Frage 5 nach dem Abstand... VTG Aussengrenze ist die rote gestrichelte Linie.
Zum Verwandeln des rwK zum MgK braucht es die Missweisung für 2012. Die ist endlich mal über die Missweisungsrose zu errechnen: 2010 0°50'E und pro,Jahr, also zweimal, 5'E dazu, macht 60'E, also 1°E. Mit Mw: +1° und einer Ablenkung von +2° kommen MgK 229° heraus.
Um das VTG im rechten Winkel zu durchfahren, Fahrgebot !, muss man rwK 242° fahren. Für die 3 sm braucht man bei 9 kn Geschwindigkeit 20 Minuten.
Harmlos

Aufgabe 9
DiemKunst besteht im Finden der Tonnen 14 und 6 die beides rote Backbordtonnen sind. Bei Frage zwei nicht selber den rwK von Tonne 1 zum LT Alte Weser suchen, (der wäre auch 204°) sondern nur die angegebenen 206° rwK in einen MgK verwandeln. Missweisung für 2011 finden: 0°5'W im Jahre 2010 und ein Mal 10'E dazu macht 0°5'E und das sind abgerundete 0°.
Der Leuchtturm Alte Weser hat ein Festfeuer mit drei Sektoren, WRG, ist 33 m hoch und sein weisses Licht scheint 33 sm, sein grünes 18 sm und sein rotes Licht dazwischen, weit.
Dann soll ein GPS Ort gegen geprüft werden. Na gut. Man nimmt also die Peilungen, die rwP, die sich ergeben müssten, wenn der Ort stimmt. Warum man sowas in die Seekate malen soll ist unklar, aber egal, machen. (Unserer Meinung nach wäre die rwP auf LT Alte Weser übrigens 206°)
Wer dann eine Stunde später am Leuchtturm ist, der 4,6 sm entfernt war, ist wohl 4,6 kn schnell gewesen. Tja, langweilig.

Aufgabe 10
Die Tonne "A 10" zu finden ist nicht leicht. Muss ja eine rote Backbord Fahrwassertonne sein, ist eben eine nur sehr kleine, nordwestlich vom Leuchtturm, gegenüber der etwas dickeren, grünen, "A 9".
Die Missweisung im Jahr 2010 beträgt laut Kasten 0°50'E, also gerundete +1°.
26 Minuten später ist man bei der Tonne "A2", die 5,2 sm hat man also mit 12 kn überwunden. Dann noch zwei Peilungen verwandeln und gut ist. Harmlos.

Aufgabe 11
Wenn man die Tonne 5 erstmal hat, wird's einfach. Die Missweisung für das Jahr 2013 beträgt 3x 5'E von den 0°50'E ausgehend. Das macht 1°5'E, also abgerundete +1°. Sehr harmlos.

Aufgabe 12
Harmlos. Die Missweisung im Jahre 2012: +1°.
Die Frage 7 geht natürlich davon aus, dass man nach dem Passieren der Tonne ST weiter versucht hat rwK 007° zu fahren. Dann wird man feststellen, daß es einen etwas nach Backbord vom Kurs verhauen hat, ablaufendes Wasser oder SE Wind. Harmlos.

Aufgabe 13
Für das Jahr 2014 sind auf die 0°50'E also 20'E hinzu zu rechnen. Das sind 1°10'E und also abgerundet mal wieder +1°.
Bis auf das nervige Ablesen des fast senkrechten Kurses... harmlos.

Aufgabe14
Alles harmlos. Missweisung im Jahr 2013 ist +1°E.

Aufgabe 15
Absolut harmlos. Dass "Obstn" für "Schiffahrtshindernis" steht muss man eben wissen. Obstruction, Obstacle stecken dahinter.


Das letzte Wort zum Thema Navigation:
„Das Mysterium war kein Mysterium mehr. Ich setzte den Finger auf die Karte und erklärte, dass wir hier wären. (...) Und was Charmian betraf (...) so erwachte in mir ein ganz neues Gefühl – nämlich das Gefühl, dass sie eine glückliche Frau war, da sie einen solchen Mann hatte“.
(Jack London, Die Fahrt der Snark)

Klas Klauberg